Inflation bei 3,3 Prozent: Energie plus 14,9 Prozent, Kernrate stabil bei 2,4 Prozent
Das Statistische Bundesamt legt am Dienstag, dem 13. Oktober, die endgültige Inflationsrate für September vor. Die Schnellschätzung vom 30. September hatte einen Anstieg der Verbraucherpreise um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ausgewiesen, nach 2,9 Prozent im August und 2,8 Prozent im Juli. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Preise um 0,6 Prozent. Der für den europäischen Vergleich maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex lag laut Destatis ebenfalls bei 3,3 Prozent.
Treiber bleibt die Energie. Haushaltsenergie und Kraftstoffe kosteten nach Angaben der Wiesbadener Statistiker im September 14,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Dynamik hat sich damit über den Sommer von Monat zu Monat beschleunigt: Im Juni lag die Energieteuerung noch bei 3,4 Prozent, im Juli bei 8,3 Prozent und im August bei 10,5 Prozent. Für August hatte Destatis-Präsidentin Ruth Brand die Verteuerung ausdrücklich auf den Iran-Krieg zurückgeführt und auf Kraftstoffe verwiesen, die damals 27,7 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, sowie auf leichtes Heizöl mit einem Plus von 49,6 Prozent.
Jenseits der Energie ist das Bild deutlich ruhiger. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel verharrte im September bei 2,4 Prozent und liegt damit seit Juli unverändert auf diesem Niveau. Nahrungsmittel verteuerten sich lediglich um 0,4 Prozent, Dienstleistungen um 2,7 Prozent; bei den Dienstleistungen setzt sich damit ein leichter Rückgang fort, nachdem die Rate im Juni noch 3,1 Prozent betragen hatte. Waren insgesamt wurden um 3,8 Prozent teurer, was den Energieanteil in dieser Gruppe widerspiegelt.
Diese Zweiteilung ist für die Geldpolitik der entscheidende Befund. Im Protokoll der Septembersitzung der Europäischen Zentralbank, das am 8. Oktober veröffentlicht wurde, heißt es, der Preisschub habe sich bislang nicht nennenswert in die Breite ausgedehnt; die Kernrate im Euroraum sei im August sogar leicht gesunken. Zugleich warnten Ratsmitglieder, die Weitergabe höherer Energiekosten an Verbraucherpreise und Löhne erfolge erfahrungsgemäß erst mit Verzögerung. Die Verbrauchererwartungen für die Inflation in fünf Jahren lagen im August laut EZB bei 2,5 Prozent, dem höchsten Wert seit Beginn der Erhebung Ende 2022.
Im europäischen Vergleich steht Deutschland eher im Mittelfeld. Nach der Schnellschätzung von Eurostat vom 2. Oktober stieg die Inflation im Euroraum im September auf 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Die Energiepreise lagen im Währungsraum 18,8 Prozent über dem Vorjahr, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,2 Prozent, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak um 1,4 Prozent. Die Rate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak stieg leicht auf 2,5 Prozent. Die höchsten Werte meldeten Litauen mit 6,1 Prozent und Bulgarien mit 5,6 Prozent, die niedrigsten Malta mit 2,4 Prozent und Finnland mit 2,6 Prozent.
Die EZB rechnet in ihren Septemberprojektionen für das vierte Quartal 2026 mit einer Teuerung von 3,6 Prozent im Euroraum und für das Gesamtjahr mit 3,0 Prozent. Die Energieinflation soll nach dieser Rechnung von fast 15 Prozent zum Jahresende binnen eines Jahres auf rund minus 4 Prozent kippen, sobald die Basiseffekte des Ölpreisanstiegs auslaufen. Erst gegen Ende 2027 erwartet die Notenbank eine Rückkehr der Gesamtrate in die Nähe des Zwei-Prozent-Ziels. Der Einlagensatz liegt nach zwei Erhöhungen in diesem Jahr bei 2,50 Prozent.
Für Haushalte und Handel ist die Lage spürbar. Das Ifo-Institut berichtete in seiner Septemberumfrage, die Einzelhändler blieben wegen der steigenden Inflation sehr vorsichtig, obwohl sich das Geschäftsklima in der Gesamtwirtschaft zum fünften Mal in Folge verbessert hat. Die reale Kaufkraft wird durch die Energierechnung gedrückt, während die Lohnentwicklung nach den Daten der EZB eher an Tempo verliert als zulegt.
Die endgültigen Septemberzahlen von Destatis am 13. Oktober dürften die Schnellschätzung bestätigen oder nur geringfügig korrigieren; im August hatte das Amt den vorläufigen Wert unverändert übernommen. Interessanter wird die Detailaufschlüsselung nach Kraftstoffen, Heizöl und Strom, die zeigt, wie stark der Anstieg auf einzelne Komponenten konzentriert ist. Am 14. Oktober folgen die US-Verbraucherpreise für September, am 16. Oktober die endgültigen Eurostat-Zahlen für den Euroraum. Die nächste Zinsentscheidung der EZB ist für den 29. Oktober angesetzt.
Quellen und weiterführende Links
- Destatis – Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich +3,3 % (30. September 2026)
- Destatis – Inflationsrate im August 2026 bei +2,9 % (10. September 2026)
- Eurostat – Euro area annual inflation up to 3.8 % (Flash estimate, 2. Oktober 2026)
- EZB – Account of the monetary policy meeting of 9–10 September 2026
- ifo Institut – ifo Business Climate Rises (September 2026)
