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Wirtschaft

Aufträge minus 10,6 Prozent, Produktion plus 2,0 Prozent: Industrie im Zahlenwirrwarr

Die Destatis-Daten für August zeichnen ein widersprüchliches Bild: Ein Großauftragseffekt im Fahrzeugbau drückt die Bestellungen, während ein Energieprojekt die Produktion auf den höchsten Stand seit 18 Monaten hebt. Dahinter bleibt die Industrie schwach.
Symbolfoto: eine Industrieanlage.

Das Statistische Bundesamt hat in der vergangenen Woche zwei Konjunkturdaten veröffentlicht, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Am 6. Oktober meldete die Behörde für August einen Einbruch des Auftragseingangs im Verarbeitenden Gewerbe um 10,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Einen Tag später folgte ein Anstieg der Produktion im Produzierenden Gewerbe um 2,0 Prozent, der das Niveau nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums auf den höchsten Stand seit 18 Monaten hob. Beide Zahlen sind preis-, saison- und kalenderbereinigt und vorläufig.

Der Auftragseinbruch ist fast ausschließlich eine Geschichte des Sonstigen Fahrzeugbaus, also der Hersteller von Flugzeugen, Schiffen, Schienenfahrzeugen und Militärfahrzeugen. Dort gingen die Bestellungen laut Destatis um 61,5 Prozent zurück, nachdem sie im Juli infolge außergewöhnlich hoher Großaufträge um 129,4 Prozent gestiegen waren. Ohne Großaufträge lag der Auftragseingang im August lediglich 0,1 Prozent unter dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich kalenderbereinigt sogar ein Plus von 2,7 Prozent, und der Anstieg im Juli gegenüber dem Vormonat wurde von 2,5 auf 3,2 Prozent nach oben korrigiert.

Dennoch lässt sich die Schwäche nicht wegrechnen. Die Inlandsaufträge sanken um 17,3 Prozent, die Auslandsaufträge um 5,4 Prozent, wobei Euroraum und Drittstaaten mit minus 5,4 und minus 5,5 Prozent fast gleichauf lagen. Die Investitionsgüterhersteller verzeichneten ein Minus von 15,3 Prozent, die Konsumgüterproduzenten eines von 7,3 Prozent, die Vorleistungsgüter gaben um 2,6 Prozent nach. Im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich Juni bis August lag der Auftragseingang zwar 1,3 Prozent über dem Vorquartal; ohne Großaufträge steht jedoch ein Rückgang von 2,6 Prozent.

Auch der Produktionsanstieg hat einen Sondereffekt. Das Baugewerbe legte im August um 9,3 Prozent zu, das Ausbaugewerbe allein um 13,1 Prozent auf den höchsten Stand seit März 2021. Das Bundeswirtschaftsministerium führt rund einen Prozentpunkt des Gesamtanstiegs auf dieses Segment zurück und vermutet dahinter den Bauabschluss eines größeren Energieinfrastrukturprojekts. Die Industrie im engeren Sinne, also ohne Energie und Bau, wuchs um 0,6 Prozent und lag damit kalenderbereinigt noch 0,4 Prozent unter dem Vorjahr. Die Energieerzeugung ging um 0,4 Prozent zurück.

Innerhalb der Industrie gingen die Branchen auseinander. Der Maschinenbau steigerte seine Produktion um 5,3 Prozent, die Hersteller von Metallerzeugnissen um 3,5 Prozent, die Elektroindustrie um 1,2 Prozent. Die Automobilindustrie dagegen produzierte 5,4 Prozent weniger; der Verband der Automobilindustrie verweist laut Destatis auf Werksferien, die in diesem Jahr stärker im August konzentriert waren. Die Chemie verlor 1,2 Prozent, die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen Erzeugnissen 2,6 Prozent. Die Vorleistungsgüter sanken zum vierten Mal in Folge.

Besonders aufmerksam verfolgt das Ministerium die energieintensiven Branchen. Deren Produktion fiel im August um 0,5 Prozent, der dritte Rückgang hintereinander, und lag im Dreimonatsvergleich 2,9 Prozent unter dem Vorquartal. Nach Einschätzung des Hauses setzt sich der Boom in diesen Zweigen nicht weiter fort; der Impuls der energieintensiven Industrien lasse im Zuge der Krise in der Golfregion nach. Hinzu kommen weiterhin niedrige Pegelstände am Rhein, die die Binnenschifffahrt einschränken. Die Aussichten für eine breite Erholung der Industrie bezeichnet das Ministerium als verhalten.

Die Stimmungsindikatoren fügen sich in dieses Bild. Das Ifo-Geschäftsklima stieg im September zum fünften Mal in Folge und erreichte mit 89,9 Punkten nach 88,8 Punkten im August den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. In der Industrie beruhte die Verbesserung laut Ifo jedoch vor allem auf besseren Erwartungen, insbesondere in der Elektroindustrie; die aktuelle Lage wurde schlechter bewertet, und die Unternehmen blieben mit ihren Auftragsbeständen unzufrieden. Für die Automobilindustrie meldete das Institut am 5. Oktober einen Absturz des Branchenklimas auf minus 35,0 Punkte nach minus 22,0 Punkten im August. Ifo-Expertin Anita Wölfl sprach von einer Branche, die weiter in der Krise steckt.

Als Nächstes stehen die Septemberdaten an: Destatis veröffentlicht die Auftragseingänge und die Produktion Anfang November, das Ifo-Geschäftsklima für Oktober folgt Ende des Monats, die ZEW-Konjunkturerwartungen am 20. Oktober. Entscheidend wird sein, ob sich der Dreimonatstrend der Industrie ohne Großaufträge und ohne Bausondereffekte stabilisiert oder ob die Energiekosten die energieintensiven Branchen weiter nach unten ziehen.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Die Zahlen entsprechen den Angaben der genannten Quellen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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