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Brent über 106 Dollar: Hormus-Angriffe halten den Ölmarkt in Atem

Nach einer Rekordwoche bei Tankerangriffen in der Straße von Hormus und neuen Angriffen auf Flughäfen in Saudi-Arabien ist Brent am 12. Oktober über 106 Dollar gestiegen. Die Gespräche zwischen Washington und Teheran stocken, Ölströme aus dem Golf fließen dennoch wieder.
Symbolfoto: Energieinfrastruktur.

Der Ölpreis ist zum Wochenauftakt am Montag, 12. Oktober, wieder deutlich gestiegen. Die Nordseesorte Brent notierte nach Daten von Trading Economics im Tagesverlauf über 106 Dollar je Barrel, dem höchsten Stand seit mehr als zwei Wochen, nachdem sie den Freitagshandel laut dem Marktbericht von PFL Petroleum bei 104,72 Dollar und damit 0,42 Prozent im Plus beendet hatte. Auslöser sind erneute Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus sowie Huthi-Angriffe auf Flughäfen in Saudi-Arabien und russische Attacken auf Energieinfrastruktur in der Ukraine.

Der Krieg gegen den Iran, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, dauert damit mehr als sieben Monate. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom, die Al Jazeera zitiert, wurden seit der Wiedereinführung der amerikanischen Seeblockade iranischer Häfen Mitte Juli vier Handelsschiffe manövrierunfähig geschossen, 135 Schiffe zur Umkehr gezwungen und zehn mit dem Iran verbundene Tanker zerstört. In der Woche bis zum 5. Oktober wurden mindestens zwölf Schiffe angegriffen, so viele wie in keiner Woche seit Kriegsbeginn.

Am Wochenende verschärfte sich die Lage erneut. Die Marine der iranischen Revolutionsgarden meldete laut Al Jazeera, ein Rohöl-Supertanker sei auf einer nicht genehmigten Route mit abgeschalteten Navigationssystemen auf eine Seemine gelaufen und in Brand geraten. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO registrierte am Sonntag mehrere Zwischenfälle in der Meerenge und im Golf von Oman, darunter den Einschlag eines Projektils in einen auslaufenden Tanker. Die Küstenwache der Vereinigten Arabischen Emirate rettete 22 Besatzungsmitglieder von einem brennenden Tanker.

Die Angaben zu den tatsächlichen Ölmengen gehen auseinander. Nach Daten des Analysehauses Kpler, die Al Jazeera zitiert, passierten in der Woche bis zum 7. Oktober im Schnitt 8,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag die Meerenge, rund 40 Prozent weniger als üblich. Zugleich meldete Kpler laut CBS News, die gesamten Ölexporte aus dem Nahen Osten hätten in der Vorwoche das Vorkriegsniveau überschritten; Trading Economics verweist auf Schätzungen, nach denen die Golf-Lieferungen zuletzt wieder etwa 98 Prozent des Vorkriegsniveaus erreichten. Normalerweise läuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels durch die Straße von Hormus.

Die Preisbewegungen der vergangenen Woche zeigen, wie stark der Markt an der Diplomatie hängt. US-Präsident Donald Trump erklärte am 8. Oktober laut CBS News auf Truth Social, die Vereinigten Staaten würden den Iran vor den Kongresswahlen am 3. November nicht angreifen, und sprach von „produktiven Gesprächen“. Brent fiel daraufhin von rund 105 auf etwa 103 Dollar. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bestätigte laut CBS, dass die Gespräche über Vermittler weiterlaufen; Vizepräsident JD Vance hatte zuvor eine „bedeutsame“ Kürzung der Urananreicherung verlangt statt eines vollständigen Verzichts.

Nach Einschätzung von Al Jazeera sind die vermittelten Gespräche dennoch festgefahren; ein Durchbruch werde weder vor den US-Zwischenwahlen noch vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober erwartet. Teheran fordert die Rückkehr zu einer im Juni unterzeichneten, inzwischen gescheiterten Absichtserklärung sowie die Anerkennung einer mit Oman ausgehandelten Routenregelung für die Meerenge. Zusätzlich eskaliert die Lage auf der Arabischen Halbinsel: Bei Angriffen der Huthi auf saudische Flughäfen kamen laut CBS in der vergangenen Woche drei Menschen ums Leben.

Für Europa bedeutet das anhaltend hohe Energiekosten. Brent kostet nach Berechnung von Fortune rund 60 Prozent mehr als vor einem Jahr, als das Barrel bei etwa 66 Dollar lag. Die G7-Staaten hatten sich laut CBS Anfang Oktober auf die Freigabe von 100 Millionen Barrel aus strategischen Reserven verständigt; IEA-Chef Fatih Birol stellte weitere Freigaben in Aussicht. Hinzu kommt der Hurrikan „Isaias“ im Golf von Mexiko: Laut PFL Petroleum waren dort bis Donnerstag rund 1,3 Millionen Barrel Tagesproduktion vorübergehend stillgelegt, was die Preise zusätzlich stützte.

Im Blick stehen nun der 15. Oktober, an dem die Internationale Energieagentur nach Angaben von Trading Economics über zugesagte Dieselfreigaben berät, sowie die Antwort Teherans auf den jüngsten US-Vorschlag, die laut Außenminister Araghchi „innerhalb weniger Tage“ erfolgen soll. Dazu kommen die Wahl in Israel am 27. Oktober und die US-Kongresswahlen am 3. November, die beide als Wegmarken für die Verhandlungen gelten.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Die Zahlen entsprechen den Angaben der genannten Quellen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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