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Infineon rüstet für KI-Rechenzentren auf: Zukauf, Netzteil-Design, Werk in Thailand

Binnen einer Woche hat der Münchner Chipkonzern die Übernahme von C2i Semiconductors abgeschlossen, ein 27-Kilowatt-Netzteil für KI-Server vorgestellt und ein neues Backend-Werk bei Bangkok eröffnet. Die Aktie notiert gut 30 Prozent unter ihrem Hoch.
Symbolfoto: Server- und Elektronikhardware.

Infineon Technologies hat am 8. Oktober ein Referenzdesign für ein dreiphasiges Server-Netzteil mit 27 Kilowatt Leistung vorgestellt, das der DAX-Konzern ab dem 12. Oktober auf dem OCP Global Summit in San Jose zeigt. Die Ankündigung ist der dritte Schritt innerhalb weniger Tage, mit dem sich der Münchner Halbleiterhersteller auf die Stromversorgung von KI-Rechenzentren ausrichtet: Am 6. Oktober wurde der Abschluss der Übernahme des indischen Entwicklers C2i Semiconductors bekannt, am 1. Oktober eröffnete Infineon einen neuen Fertigungsstandort in Thailand.

Das Netzteil-Design ist nach Angaben des Unternehmens auf die Rack-Spezifikation Open Rack V3 des Open Compute Project ausgelegt und erreicht bei 480 Volt Eingangsspannung und halber Last einen Wirkungsgrad von mehr als 98 Prozent. Die Leistungsdichte gibt Infineon mit 116 Watt je Kubikzoll an, die Spezifikation verlangt mindestens 94. Ein integrierter Energiepuffer soll kurze Netzstörungen von bis zu 20 Millisekunden überbrücken und die sprunghaften Lastwechsel von Grafikprozessoren abfedern. Hintergrund ist der Trend zu Gleichstromarchitekturen mit 800 Volt in KI-Rechenzentren, bei denen die Leistung je Rack weiter steigt.

Mit C2i Semiconductors holt sich Infineon Entwicklungskompetenz für die digitale Steuerung dieser Stromversorgung ins Haus. Das Unternehmen aus Bengaluru wurde 2024 von früheren Ingenieuren für Stromversorgungssysteme von Texas Instruments gegründet, wie Data Center Dynamics bei der Ankündigung im August berichtete, und entwickelt nach Angaben von Infineon softwaredefinierte Mehrphasen-Controller und intelligente Leistungsstufen für KI-Rechenzentren. Im Februar hatte C2i noch 15 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Einen Kaufpreis nennt Infineon nicht. Das Team geht in der Sparte Power Systems auf; Adam White, Präsident der Sparte, sprach laut Evertiq von einem wichtigen Meilenstein für das KI-Stromversorgungsgeschäft und für die Innovationsaktivitäten in Indien, wo Infineon rund 2.800 Beschäftigte hat.

Der neue Standort in Samut Prakan bei Bangkok ergänzt das Fertigungsnetz auf der anderen Seite der Wertschöpfungskette. Dort übernimmt Infineon die Montage und den Test von Chips, die sogenannte Backend-Fertigung, für Anwendungen in Fahrzeugen, Industrie und Energieinfrastruktur. Zunächst ist ein Modul in Betrieb, das Gelände bietet Platz für fünf; die Belegschaft von rund 350 Personen soll im Hochlauf auf etwa 1.000 wachsen, der weitere Ausbau folgt der Nachfrage. Der Spatenstich lag im Januar 2025, zur Eröffnung kam der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul. Ein Investitionsvolumen nannte Infineon laut Evertiq nicht.

Die Serie von Meldungen trifft auf eine Aktie unter Druck. Am 7. Oktober verlor das Papier 4,74 Prozent, am 8. Oktober zeitweise weitere 3,22 Prozent auf rund 59 Euro, wie wallstreet-online berichtet; am 9. Oktober schloss die Aktie auf Xetra bei rund 58,90 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 88,83 Euro liegt damit rund ein Drittel entfernt, auf Sicht von drei Monaten steht ein Minus von rund 16 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn allerdings weiterhin ein Plus von rund 56 Prozent. Der Börsenwert beträgt rund 77 Milliarden Euro.

Im zuletzt berichteten dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni hatte Infineon den Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 13 Prozent auf 4,172 Milliarden Euro gesteigert, das Segmentergebnis um rund 19 Prozent auf 797 Millionen Euro bei einer Marge von 19,1 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal lag das Plus nach Unternehmensangaben bei 9 Prozent beim Umsatz und 22 Prozent beim Segmentergebnis; für das Schlussquartal hatte das Management einen weiteren deutlichen Anstieg bei Umsatz und Marge in Aussicht gestellt.

Ob sich die Positionierung im KI-Geschäft bereits in Zahlen niederschlägt, lässt sich erst mit dem Jahresabschluss beurteilen. Infineon legt die Ergebnisse für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2026 am 10. November vor. Zuvor zeigt der Konzern am 22. Oktober auf der Hausmesse OktoberTech im Silicon Valley sein Portfolio, darunter erneut das 27-Kilowatt-Netzteil. Signale aus der Lieferkette kommen schon in dieser Woche: ASML berichtet am 14. Oktober, der Auftragsfertiger TSMC am 15. Oktober über das dritte Quartal.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Die Zahlen entsprechen den Angaben der genannten Quellen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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